Wiener Werkstatt Musiktherapie

Seit 2013 stellt das WIM mit dieser Fortbildungsreihe eine Möglichkeit bereit, die reichhaltige klientenübergreifende klinische Erfahrung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten mit Denkanstößen angrenzender und/oder fachfremder wissenschaftlicher Disziplinen zu verbinden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung soll darüber hinaus angeregt werden. Angesprochen sind alle Musiktherapeuten und Musiktherapeutinnen, die Lust und Interesse haben, auch ungewohnte gedankliche Wege zu gehen, um neue Perspektiven zu suchen - unabhängig von der Dauer ihrer Berufsausübung und eventueller Zusatzausbildungen sowie ihres musiktherapeutischen Tätigkeitsfeldes.

Die Programmgestaltung sieht jeweils 3 musiktherapiefremde Bezugsfelder vor, die Anregung sein sollen für das Erarbeiten einer musiktherapierelevanten Synthese.

Einem „Werkstatt“-Charakter entsprechend werden im Anschluss an die Vorträge musiktherapeutisch wichtige Themen und Fragestellungen, die sich aus den Vorträgen ableiten lassen, in moderierten Arbeitsgruppen exploriert, um das aktuelle Wissen zu diesem Thema erweitern und vertiefen zu können. Unkonventionelle Denkweisen sollen sich mit musiktherapeutischen Praxiserfahrungen verknüpfen und in die Zusammenhänge unseres alltäglichen Handelns transferiert werden können.

 

Neben den eingeplanten Kaffeepausen gibt es beim Mittagessen sowie bei einem gemütlichen Ausklang in den Seminarräumlichkeiten Zeit für persönlichen Austausch.

 

5. Wiener Werkstatt Musiktherapie

VORURTEIL

Samstag, 13. Jänner 2018

neuer Tagungsort: Seminarräumlichkeiten Sargfabrik, 1140 Wien, Goldschlagstraße 169

 

Auf der Suche nach einem neuen Thema hat sich das WIM mit der Frage auseinandergesetzt, welche Bedeutung Vorurteile in unserem Kontext haben – wie geurteilt wird, wie verurteilt wird und was davor geschieht, wie vor-verurteilt wird.

Für den theoretischen Input haben wir drei Referent_innen eingeladen, um das Rahmenthema in gewohnter Weise bestmöglich von vielen Seiten zu beleuchten: Aus sozialpsychologischer Sicht wird Dr. Andreas Olbrich-Baumann (Universität Wien) einen einführenden Überblick zum Themenkomplex von Vorurteilen und Diskriminierung und damit verbundenen Phänomenen (z.B. Stereotypien, soziale Stigmata, Sexismus, Rassismus) schaffen.

Die Juristin und Menschenrechts-Expertin Mag. Johanna Eteme (Bundesministerium für Inneres) befasst sich mit Spannungsfeldern in der Polizei-Arbeit: zwischen erfahrungsgeleiteten, situativen Einschätzungen einerseits und Menschenrechten als notwendiger Grenze andererseits, oder zwischen „criminal profiling“ als sinnvollem Werkzeug und „ethnic profiling", das die Grenze zur Diskriminierung deutlich überschreitet. Die Ausübung von Gewalt und Kriminalität gegenüber einer Person allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe („hate crime“) ist ebenso wie die Verbreitung von Hass im Internet („hate post“) ein brisantes Thema für Polizei und Justiz.

Für einen Einblick in die Dynamiken des Internets, insbesondere der „sozialen“ Medien, interessieren uns Sichtweisen und Erfahrungen aus dem journalistischen Bereich: Wie schnell vollzieht sich der Wechsel von „fame“ zu „shame“, warum und wie schnell wird hier jemand, der eigentlich nur für kurze Zeit im Rampenlicht stehen wollte, mit positiven oder negativen Attributen versehen? Wie entstehen eigentlich kollektive und individuelle Vorurteile, welche Rolle spielen da die „alternative facts“, und wie können sie gelenkt werden?

Im vorbereitenden Frage-Prozess beschäftigen uns bereits so manche für die musiktherapeutische Community relevanten Anknüpfungspunkte: unsere Urteile über andere, unsere Vorurteile anderen Ausbildungen, anderen Berufsgruppen gegenüber, unsere Vorurteile den Patient_innen gegenüber.

Wo stehen wir Therapeut_innen mit unseren Patient_innen in einer Zeit, in der so vieles reguliert und bewertet wird? Bringen einen da individualistische Alleingänge bereits in die Gefahr der Vorverurteilung? Oder anders gefragt: Wo sind meine Vorurteile und wo bestimmt die Angst, von anderen vor-verurteilt zu werden, mein Handeln? Diese und andere Fragen möchten wir mit den Teilnehmer_innen in den Arbeitsgruppen am Nachmittag diskutieren.

 

Im bewährt klein gehaltenen Rahmen der Tagung (begrenzte Teilnehmer_innen-Zahl) findet die 5. Wiener Werkstatt Musiktherapie diesmal erstmals in den Seminarräumlichkeiten der Sargfabrik (1140, Goldschlagstraße 169) statt. Für das im Tagungspreis inkludierte Mittagessen gibt es die Wahl zwischen 2 Menüs (eines davon vegetarisch). Neben eingeplanten Kaffeepausen wird bei einem abschließenden Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten Gelegenheit zum persönlichen und fachlichen Austausch sein.

 

Tagungsbeitrag: € 100,- (ermäßigt für Musiktherapie-Studierende im Diplomarbeitsstadium: € 70,-)

Darin enthalten sind Tagungsunterlagen, Pausenverpflegung und Mittagsmenü (auch vegetarische Auswahl) sowie ein abschließender Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten.

 

Anmeldeschluss: 31. Dezember 2017 (begrenzte Teilnehmer_innenzahl!)


4. Wiener Werkstatt Musiktherapie

NARZISSMUS

Samstag, 28. Jänner 2017

Narzissmus – ein Kernthema der Psychotherapie und der Musiktherapie.

 

Die Art der Betrachtung dieses Phänomens kann sehr unterschiedlich erfolgen, denn es sprengt das Arbeitsfeld der TherapeutInnen. In dieser Werkstatt wollen wir uns über unterschiedliche Zugänge diesem Thema und seiner klinischen Relevanz annähern; dieser Prozess geschieht wie immer in der Kleingruppenarbeit am Nachmittag.

 

Bereits Künstler der Antike setzten sich mit dem Thema Narzissmus auseinander. Zu Beginn des Vormittags wird die Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Maren Welsch aus Kiel auf die unterschiedlichen Darstellungen des Narziss in der Malerei eingehen, wobei sie in ihrer Forschungsarbeit auf interessante Details zur Darstellung des weiblichen im Gegensatz zum männlichen Narzissmus gestoßen ist. 

An die mythologischen Ursprünge des Narzissmus anschließend führt der Innsbrucker Psychotherapeut und Psychiater Dr. Harald Meller in die klinische Relevanz des Themas ein und macht die Entstehung seiner verschiedenen Erscheinungsformen - des malignen wie des benignen Narzissmus - entwicklungspsychologisch verständlich.

In einem weiter gefassten Zusammenhang zu den Facetten des Narzissmus ist die Betrachtung der neuen, und doch alten Sitte des Tätowierens aufschlussreich. Rückblickend auf eine langjährige praktische Arbeit in einem Tätowierstudio schildert der Künstler Norbert Ösz seine Erfahrungen mit den Bedürfnissen seiner Kundinnen und Kunden und seine Ideen zur Kultivierung der Selbstdarstellung und Ästhetisierung des Körpers.

 

Teilnahmegebühr: € 100,-

ermäßigt für Musiktherapiestudierende im Diplomarbeitsstadium: € 70,-

Darin enthalten sind Tagungsunterlagen, Pausenverpflegung und Mittagsbuffet (auch vegetarische Auswahl) sowie ein abschließender Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten.

 

Begrenzte Teilnehmer_innenzahl! Anmeldeschluss: 14. Jänner 2017

ausgebucht!

Gerne setzen wir Sie auf eine Warteliste und verständigen Sie, sobald ein Platz frei geworden ist.

 

Tagungsort:

Studio Barada, Robert-Hamerling-Gasse 1, 1150 Wien (gleich hinter dem Westbahnhof)


Rückblick Wiener Werkstatt Musiktherapie

19. Oktober 2013: KATHARSIS

DDr. Peter Geissler (Arzt, Psychologe, Psychotherapeut): Katharsis

DI Gudrun Obersteiner (Abfallexpertin): Die Wissenschaft der Entsorgung

Dr. Yvonne Schaffler (Medizinanthropologin): Besessenheit und Katharsis aus Sicht der Kultur- und Sozialanthropologie

 

17. Jänner 2015: ERINNERN

Peter Rosei (Schriftsteller)

Dr. Hubert Bergmann (Philologe)

Dr. Sylvia Wintersperger (Psychiaterin, Psychotraumatologin, Psychotherapeutin)

 

9. Jänner 2016: FREMD SEIN

Dir. Werner Breitenecker (Hoteldirektor, Tourismusexperte): Fremden-Verkehr                    

Dr. Rainer Pöhnl (Hämatoonkologe): Fremdes im Körper

Martin Flicker (lebenserfahrener Waldvierter mit jenischen Wurzeln): Unerkannt fremd

 

28. Jänner 2017: NARZISSMUS

Dr. Maren Welsch (Kunstwissenschafterin): Narziss und die bildende Kunst – eine ambivalente Beziehung

Dr. Harald Meller (Psychiater, Psychotherapeut): Klinische Erscheinungsformen des Narzissmus

Norbert Ösz (Künsler): Tätowierkunst als Kultur der Selbstdarstellung

Wiener Schule der klinisch-differenziellen Musiktherapie - ein Update

11. Oktober 2008

Modul 1: Begrifflichkeiten der Wiener Schule der Musiktherapie im Verständnis aktueller Theoriebildung

Dr. Dorothea Oberegelsbacher: Differentielle Musiktherapie I. Kernbegriffe der Wiener Schule: Phänomenologie, Historie, klinische Anwendung – eine Übersicht“

Prof. Dr. Jos de Backer: Relevante psychotherapeutische Referenztheorien zur Wiener Schule der Musiktherapie

Dr. Dorothee Storz: Pentatonik, tonale und freie Improvisation

Dr. Elena Fitzthum: Eine kurze Entwicklungsgeschichte des musikalischen Dialogs

 

10. Oktober 2009

Modul 2: Differenzielle Indikation musiktherapeutischer Techniken und Interventionen

Dr. Dorothee Storz: Differentielle Musiktherapie II. Musiktherapeutische Techniken

Dr. Sandra Lutz Hochreutener: Methoden, Modalitäten und Interventionstechniken in der Musiktherapie - Versuch einer Methodologie

Dr. Karin Mössler: Historische Reflexion musiktherapeutischer Techniken der Wiener Schule der Musiktherapie

Mag. Martin Seidl: Musiktherapeutisches Singen in der Geriatrie

Mag. Monika Smetana: Zur Bedeutung von Tonträgern in  der musiktherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen

 

24. April 2010

Modul 3: Menschenbild und Forschung in der Musiktherapie

Dr. Elena Fitzthum: Differentielle Musiktherapie III. Menschenbild und therapeutisches Handeln

Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmidt: Musiktherapieforschung - ein Überblick

Priv.Doz. Dr. Mag. Christian Gold: Wer braucht eigentlich Musiktherapieforschung und wozu? Über die Relevanz der empirischen Forschung für die Wiener Schule der Musiktherapie

Dr. Karin Mössler: Mixed Method Forschung

Dr. Dorothea Oberegelsbacher: Paradigmen der Musiktherapie

 

26. Februar 2011

Modul 4: Politische Dimensionen musiktherapeutischer Berufsausübung

 Jan Sonntag: Psychokonformität versus Psychodiversität. Kritische Überlegungen zur gesellschaftlichen Verrottung der Musiktherapie

Mag. Edith Wiesmüller: Migration und Traumarisierung. Gesellschaftspolitische und soziokulturelle Aspekte innerhalb eines aktuellen Praxisfeldes

Prof. Dr. Tonius Timmermann: Transgenerationale Interaktionen in der Musiktherapie

Dr. Elena Fitzthum: Berufspolitische Dimensionen im europäischen Kontext. Von der Schwierigkeit, europäisch zu denken

Mag. Michael Stevic: Pionier- Politik - Patient(ia) - Provocatio. 5 Jahre regionaler Pionierarbeit Musiktherapie am Beispiel des Bundeslandes Kärnten

 

Jour fixe

17. Juni 1998: Heilung und Heil in Musik und Harmonik

Prof. Dr. Werner Schulze

 

2. Dezember 1998: Mozart in Musikpsychologie und Psychotherapie

Dr. theol. Richard Picker (Psychotherapeut)

Univ. Prof. Dr.phil. Erich Vanecek (Musikpsychologe)

 

6. Juli 1999: Musiktherapie - ein Orchideenfach zwischen Kunst und Wissenschaft?

Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt

 

13. Dezember 1999: 40 Jahre Musiktherapie in Österreich  (in Zusammenarbeit mit dem ÖBM)

Friederike Jekat

Dr. Dorothea Oberegelsbacher

 

25. Mai 2000: Musiktherapie mit kriegstraumatisierten Kindern. Erfahrungen aus Sarajewo.

Dorothee Storz

 

8. November 2000: In illo Tempore. Mit Musiktherapie zurück zur heilen Zeit.

Elena Fitzthum

 

Wiener Institut für Musiktherapie

Praterstraße 30/1/7, A-1020 Wien

office@wim-musiktherapie.at