Das Paukenpartnerspiel und seine methodische Modifikation

Weiterbildungsveranstaltung mit 4 Modulen im Zeitraum Oktober 2023 bis Mai 2024

Gesamtleitung: Dr. Elena Fitzthum

Leitung der Module: Dr. Elena Fitzthum| Mag. Franziska Pötsch |  MMag. Martin Astenwald | Dr. Mag. Edith Wiesmüller

 

Im Zusammenhang der Mitarbeit an Hannah Riedls Buch (2021) „Wollen Sie wirklich spielen?“ beschäftigte sich das WIM intensiv mit dem Thema Paukenpartnerspiel (PP). Es hat sich der Eindruck erhärtet, dass es ein Missverhältnis gibt zwischen der Erwähnung des PP in der Literatur und dessen tatsächlichem Einsatz in der klinischen Praxis. Vorbehalte wie „… das ist doch zu gefährlich für unsere Patient:innen“ oder „… bei meinem Klientel kann ich das sicher nicht anwenden“ oder „… was ist, wenn da eine traumatisierte Person mir gegenüber sitzt?“ scheinen eine Anwendung in der klinischen Praxis zu erschweren.

Solche Vorbehalte sind Motivation und Grundlage für diese Fortbildungsreihe, die in 4 Modulen gegliedert ist:

  • Modul 1: Das Paukenpartnerspiel (PP) in Aktion – ein Training für Musiktherapeut:innen [Fitzthum & Pötsch]
  • Modul 2: Limitierungen und Modifizierungen bei Patient:innen mit Traumatisierungen [Wiesmüller]
  • Peergroups
  • Modul 3: Anwendung des PP im klinischen Feld. Intervisorisches Arbeiten mit den Erfahrungen der Teilnehmenden [Astenwald]
  • Modul 4: Präsentation und Reflexion von Fallbeispielen der Teilnehmenden

Modul 1 | Das Paukenpartnerspiel (PP) – ein Training für Musiktherapeut:innen

Dr. Elena Fitzthum & Mag. Franziska Pötsch


Unter Berücksichtigung wichtiger Eckpfeiler der Gestalttherapie wird eine eigene Didaktik des PP entwickelt. Dabei wird der Fokus auf die Awareness der betroffenen Protagonist:innen gerichtet, auf deren Befindlichkeit während des Spielens sowie auf die Wahrnehmung für das Gegenüber. Ein zentraler Begriff der Gestalttherapie – Autonomie - erhält hier eine besondere Bedeutung. Ausgehend von vielen einzelnen Übungssequenzen, die schrittweise bis zum ersten Ton auf der Pauke führen, konnte eine Didaktik des PP in einem moderneren Gewand erarbeitet werden. Die Basis dafür bildet ein nach wie vor aktueller Gedanke von Alfred Schmölz, dass im PP hemmende Faktoren wie Leistungsdruck und Angst vor einer Konfrontation einschränkend wirken. Im Unterschied zu Schmölz richtet sich hier das Hauptaugenmerk auf die Schulung der Aufmerksamkeit der Therapeut:innen und rückt die eigenen körperlichen Vorgänge so wie die sichtbaren Zeichen des erhöhten Arousals (auch) beim Gegenüber in den Vordergrund (Fitzthum, 2022).

Modul 2 | Limitierungen und Modifizierungen bei Patient:innen mit Traumatisierungen

Dr. Mag. Edith Wiesmüller


In Modul 2 werden traumaorientierte musiktherapeutische Modifikationen des PP vorgestellt. Der Einsatz des Instruments Pauke erfolgt wegen der Gefahr von Triggerreizen besonders dosiert und behutsam. Voraussetzung dazu ist die körperorientierte Stressreduktion im Sinne einer Bottom-up-Regulation sowie intra- und interpsychische Einstimmungsmodalitäten im Rahmen einer tragfähigen therapeutischen Beziehung. Somit ist das PP in diesem Zusammenhang einerseits als stabilisierend und ressourcen-mobilisierend zu verstehen, andererseits ermöglicht es die Integration traumaassoziierter Teilinhalte der Erinnerung. Anhand von Live-Demos und Übungssequenzen werden Möglichkeiten und Grenzen des Paukenpartnerspiels aufgezeigt.



Bilden von Peergroups

Zwischen Modul 2 und Modul 3 soll es Zeit für ein erstes Experimentieren geben bzw. für Adaptierungen am eigenen Arbeitsplatz. Dieser Prozess soll durch die Bildung von Peergroups begleitet und unterstützt werden.

 


Modul 3 | Anwendung des PP im klinischen Feld. Intervisorisches Arbeiten mit den Erfahrungen der Teilnehmenden

MMag. Martin Astenwald

Ein weiterer notwendiger Baustein für die gezielte Anwendung des PP in der klinischen Anwendung stellt die Bewältigung der Anforderungen in der Gruppenmusiktherapie mit Menschen mit psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen dar. Das dritte Modul beschäftigt sich neben der Beforschung des therapeutischen Potenzials des PP im Gruppensetting auch mit notwendigen Rahmenbedingungen. Die Vermittlung der daraus abzuleitenden Modifikationen bilden im Weiteren die Grundlage für einen anschließenden Erfahrungsaustausch über Situationen aus Einzel- und Gruppenmusiktherapie aller Teilnehmenden

Modul 4 | Präsentation und Reflexion von Fallbeispielen der Teilnehmenden

Dr. Elena Fitzthum, Mag. Franziska Pötsch, Dr. Mag. Edith Wiesmüller & MMag. Martin Astenwald

Der Termin dieses Moduls wird am 14.10.2023 bekanntgegeben und wahrscheinlich im April oder Mai 2024 liegen. Es wird die Gelegenheit geben, einzeln über ein vorher verschriftlichtes Fallbeispiel zu referieren, welches im Zusammenhang mit den neu erworbenen Kompetenzen im Kontext PP im jeweiligen Praxisfeld der Teilnehmenden liegt.



Organisatorisches

Teilnahmevoraussetzungen:

  • Musiktherapeut:innen mit Berufserfahrung
  • durchgehende Anwesenheit bei allen Modulen
  • Einverständnis, sich an Übungen mit einem Selbsterfahrungsanteil zu beteiligen

 

Termine:

  • Modul 1     |     14.10.2023
  • Modul 2     |     11.11.2023
  • Modul 3     |     09.03.2024
  • Modul 4     |     wird am 14.10.2023 bekanntgegeben

 

Kurszeiten:

samstags, jeweils 9:00 bis 17:00 Uhr

 

Anzahl der Teilnehmer:innen:

max. 15 Personen

 

Teilnahmegebühr:

Die Seminare können nur im Ganzen gebucht werden. Die Gesamtgebühr für alle vier Module beträgt 600,00 Euro.

 

Ort:

Gemeinschaftspraxis Fröbelgasse 15 (EG), 1160 Wien

 

Anmeldung bis spätestens 31.7.2023

per E-Mail an office@wim-musiktherapie.at

 

Die verbindliche Anmeldung ist gültig nach Einbezahlung der Teilnahmegebühr auf das Konto:

Wiener Institut für Musiktherapie

IBAN: AT97 1200 0503 6647 3300 | BIC: BKAUATWW

 

Im Stornierungsfall ist eine Rückerstattung bis 1.7.2023 möglich.

Die Nennung einer Ersatzperson für alle Module ist bis vor Beginn des ersten Moduls möglich.

 

Zertifikat des WIM – Voraussetzungen:

  • Teilnahme an allen Modulen
  • Arbeit in der Peergroup
  • eine Fallpräsentation
  • Abgabe einer schriftlichen Fallvignette, die einen in der Peergroup intervidierten Fall aus der Praxis zum Thema PP beinhaltet im 4. Modul

 

Anrechnung der Fortbildung: 42 Einheiten


Die Dozent:innen

Martin Astenwald, Mag. art. Mag. art.

Musiktherapeut, Musikpädagoge.

Musiktherapie in der psychiatrischen und psychosomatischen Rehabilitation bei promente reha – Sonnenpark Lans.

 

Elena Fitzthum, Dr.in sc.mus.

Musiktherapeutin, Integrative Gestalttherapeutin, Supervisorin.

Universitätslektorin an der mdw 1990 – 2020; Gruppen-Lehrmusiktherapeutin an der ZHdK Zürich seit 2002; Arbeit in freier Praxis seit 1992.

 

Franziska Pötsch, Mag.a art.

Musiktherapeutin, Integrative Gestalttherapeutin.

Musiktherapeutisch tätig seit 2011, psychotherapeutisch in freier Praxis seit 2018. Gruppen-Lehrmusiktherapeutin an der ZHdK Zürich seit 2020.

 

Edith Wiesmüller, Mag.a art., Dr.in sc. mus.

Musiktherapeutin, zertifizierte Traumatherapeutin (zaap-wien).

Erwachsenenpsychiatrie Klinik Penzing, Wien; Lehrtätigkeit am Institut für Musiktherapie an der mdw


Empfohlene Literatur:

  • Riedl, H. (Hrsg.). (2021). „Wollen Sie wirklich spielen?“: Alfred Schmölz und die Wiener Musiktherapie – kommentierte Quellentexte (Wiener Beiträge zur Musiktherapie, Bd. 12). Wien: Praesens.
  • Fitzthum, E. (2022). Des Neurotikers kleinster Tanz. Die Dynamisierung des Arousals durch das Paukenpartnerspiel. Musiktherapeutische Umschau, 43(4), 365-374.
  • hm-Öppinger, S. (2014). Das instrumentale Partnerspiel. In T. Stegemann & E. Fitzthum (Hrsg.), Festschrift 55 Jahre Musiktherapie, Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (S. 75–78). Wien: Eigenverlag.
  • Wiesmüller, E. (2014). Traumaadaptierte Musiktherapie. Wiesbaden: Reichert.
  • Wiesmüller, E. (2021). Einstimmung: Musik- und traumatherapeutische Sichtweisen. In H. Riedl (Hrsg.), „Wollen Sie wirklich spielen?“: Alfred Schmölz und die Wiener Musiktherapie – kommentierte Quellentexte (Wiener Beiträge zur Musiktherapie, Bd. 12) (S. 335–346). Wien: Praesens.

Relevante Originaltexte von Alfred Schmölz zum (Pauken-)Partnerspiel können dem Buch von Riedl (2021) entnommen werden.

 

 


Rückblick:

Bücherpräsentation: Wiener Beiträge zur Musiktherapie Band 12 & 13

Wann: Donnerstag, 9. Dezember 2021, 18:30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr)

Wo: Neuer Konzertsaal, Rennweg 8 (geplant: LIVE, Teilnehmer_innenzahl beschränkt)

Anmeldung bis 2. Dezember 2021 unter: buch-mth@mdw.ac.at

 

Das Datum dieser Veranstaltung ist wohlgewählt, da Alfred Schmölz am 9. Dezember 2021 seinen 100. Geburtstag feiern würde.

Diesen feiern wir nun gemeinsam für ihn.

 

„Aller guten Dinge sind zwei“: Einladung zur Bücherpräsentation

Im Jahr 1997 erschien der erste Band der Buchreihe „Wiener Beiträge zur Musiktherapie“. Diese vom WIM – Wiener Institut für Musiktherapie herausgegebene Buchreihe im Praesens Verlag (vormals Edition Praesens) umfasst nach nunmehr 24 Jahren 13 Bände.

Wir laden Sie hiermit herzlich zu einer Bücherpräsentation der besonderen Art ein: Band 12 und Band 13 erscheinen gleichzeitig und wollen gefeiert werden.

Diese zwei Ausgaben liefern weitere Bausteine für die Identitätsbildung der Wiener Schule der Musiktherapie, die, so darf man nach Durchsicht beider Bücher schließen, sowohl aus Altem schöpft (Band 12) als auch tatkräftig neue Felder bearbeitet (Band 13). Band 12 beinhaltet eine wertvolle Materialsammlung mit Quellentexten von Alfred Schmölz und deren Interpretation aus heutiger Sicht. Band 13 lenkt den Blick in die Jetzt-Zeit und in die Zukunft der Musiktherapie, ganz im Sinne des ersten Teils der „Wiener Ringvorlesungen“, der 2018 in aktualisierter und erweiterter Auflage erschienen ist. 

Band 12, Wiener Beiträge zur Musiktherapie, Hrsg.: Hannah Riedl

„Wollen Sie wirklich spielen?“

Alfred Schmölz und die Wiener Musiktherapie – kommentierte Quellentexte

 

Professor Alfred Schmölz (1921–1995) war einer der wesentlichsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der europäischen Musiktherapie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war Musiktherapeut und Klavierpädagoge an der heutigen mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Als Ausbildungsleiter prägte er von 1970–1992 die erste akademische Musiktherapie-Ausbildung Europas, die 1959 von Editha Koffer-Ullrich gegründet wurde. In seiner Leitungsperiode beschrieb und konturierte er die „Wiener Schule der Musiktherapie“, die sich bis heute durch ein psychotherapeutisches Verständnis auszeichnet.

In Band 12 der Reihe „Wiener Beiträge zur Musiktherapie“ werden Quellentexte von Alfred Schmölz erneut verlegt und aus reform- und klavierpädagogischer, praxeologischer, didaktischer, psychotherapiewissenschaftlicher, traumatherapeutischer sowie neurobiologischer Perspektive interpretiert und kontextualisiert. Biografisches zu Alfred Schmölz sowie eine Darstellung seines weitreichenden Einflusses auf die nationale und internationale musiktherapeutische Ausbildungslandschaft runden den Band ab.

 

Band 13, Wiener Beiträge zur Musiktherapie, Hrsg.: Thomas Stegemann & Elena Fitzthum 

Kurzlehrbuch Musiktherapie. Teil II.

Wiener Ringvorlesung Musiktherapie – Grundlagen und Anwendungsfelder

 

Dieser Band setzt die Verschriftlichung und didaktische Aufbereitung der Wiener Ringvorlesungen Musiktherapie von Band 11 fort. Die für Teil 2 des Kurzlehrbuchs aktualisierten Beiträge stammen aus den Studienjahren 2015 bis 2020.  Im Aufbau folgt dieser Band dem des vorangegangen Ringvorlesungsbuches: Den vorwiegend theoriegeleiteten Beiträgen folgen jene, die sich mit dem klient_innennspezifischen Einsatz von Musiktherapie beschäftigen. Am Ende jedes Beitrages finden die Leser_innen Prüfungsfragen, die ein Selbststudium ermöglichen und deren Beantwortung am Ende des Buches zu finden ist. Die 22 Autor_innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum beschreiben und reflektieren eine Musiktherapie, die sich mit neuen Themen und Feldern auseinandersetzt (z.B. Musiktherapie im Strafvollzug, in der Prävention, in der medizinischen Rehabilitation) und deren theoretische Grundlagen die Auseinandersetzung mit einem breitgefächerten, interdisziplinären Diskurs widerspiegeln. 


Wintergespräche

Wichtig: Aus Gründen der derzeitigen gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen wird das Wintergespräch am 12. März 2020 abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschobenWir bitten um Verständnis!

In den Wintermonaten 2020 startet das WIM eine dreiteilige Veranstaltungsreihe in neuem Format:

In gemütlicher abendlicher Gasthausatmosphäre (Extrazimmer) erzählen erfahrene Kolleg_innen von musiktherapeutischen Themen,  über die sie nachgedacht bzw. wissenschaftlich gearbeitet haben und die einen Bezug zur Wiener Schule der Musiktherapie haben.

Wir laden ein zu Diskussion und Austausch über Gedanken, Theorien, Fallgeschichten.

 

Mittwoch, 08.01.20

Peter Habringer

Das Klavier in der Psychosomatik

 

Mittwoch, 12.02.20

Elisabeth Kaczynski 

Ist DAS schon Musiktherapie? (Falldarstellung aus der Akut-Psychiatrie)

 

Donnerstag, 12.03.20         

Ursula Purucker

Narzissmus in der Kindermusiktherapie

 

Ort: Gasthaus Möslinger, Stuwerstraße 14, 1020 Wien

Beginn: 18:30 Uhr   

Unkostenbeitrag exkl. Speisen und Getränke: € 10,-

 

Anmeldung erbeten! office@wim-musiktherapie.at 

Wir möchten darauf hinweisen, dass eine Konsumation von Getränken – und im Anschluss an die Vorträge und Diskussion gerne auch Speisen – möglich und erwünscht ist. Fortbildungsbestätigungen werden ausgestellt. 


Wiener Werkstatt Musiktherapie

Seit 2013 stellt das WIM mit dieser Fortbildungsreihe eine Möglichkeit bereit, die reichhaltige klientenübergreifende klinische Erfahrung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten mit Denkanstößen angrenzender und/oder fachfremder wissenschaftlicher Disziplinen zu verbinden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung soll darüber hinaus angeregt werden. Angesprochen sind alle Musiktherapeuten und Musiktherapeutinnen, die Lust und Interesse haben, auch ungewohnte gedankliche Wege zu gehen, um neue Perspektiven zu suchen - unabhängig von der Dauer ihrer Berufsausübung und eventueller Zusatzausbildungen sowie ihres musiktherapeutischen Tätigkeitsfeldes.

Die Programmgestaltung sieht jeweils 3 musiktherapiefremde Bezugsfelder vor, die Anregung sein sollen für das Erarbeiten einer musiktherapierelevanten Synthese.

Einem „Werkstatt“-Charakter entsprechend werden im Anschluss an die Vorträge musiktherapeutisch wichtige Themen und Fragestellungen, die sich aus den Vorträgen ableiten lassen, in moderierten Arbeitsgruppen exploriert, um das aktuelle Wissen zu diesem Thema erweitern und vertiefen zu können. Unkonventionelle Denkweisen sollen sich mit musiktherapeutischen Praxiserfahrungen verknüpfen und in die Zusammenhänge unseres alltäglichen Handelns transferiert werden können.

 

Neben den eingeplanten Kaffeepausen gibt es beim Mittagessen sowie bei einem gemütlichen Ausklang in den Seminarräumlichkeiten Zeit für persönlichen Austausch.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Jahr 2019 wird  keine Wiener Werkstatt Musiktherapie stattfinden können.


RÜCKBLICK

5. Wiener Werkstatt Musiktherapie

VORURTEIL

Samstag, 13. Jänner 2018

neuer Tagungsort: Seminarräumlichkeiten Sargfabrik, 1140 Wien, Goldschlagstraße 169

 

Auf der Suche nach einem neuen Thema hat sich das WIM mit der Frage auseinandergesetzt, welche Bedeutung Vorurteile in unserem Kontext haben – wie geurteilt wird, wie verurteilt wird und was davor geschieht, wie vor-verurteilt wird.

Für den theoretischen Input haben wir drei Referent_innen eingeladen, um das Rahmenthema in gewohnter Weise bestmöglich von vielen Seiten zu beleuchten: Aus sozialpsychologischer Sicht wird Dr. Andreas Olbrich-Baumann (Universität Wien) einen einführenden Überblick zum Themenkomplex von Vorurteilen und Diskriminierung und damit verbundenen Phänomenen (z.B. Stereotypen, soziale Stigmata, Sexismus, Rassismus) schaffen.

Die Juristin und Menschenrechts-Expertin Mag. Johanna Eteme (Bundesministerium für Inneres) befasst sich mit Spannungsfeldern in der Polizei-Arbeit: zwischen erfahrungsgeleiteten, situativen Einschätzungen einerseits und Menschenrechten als notwendiger Grenze andererseits, oder zwischen „criminal profiling“ als sinnvollem Werkzeug und „ethnic profiling", das die Grenze zur Diskriminierung deutlich überschreitet. Die Ausübung von Gewalt und Kriminalität gegenüber einer Person allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe („hate crime“) ist ebenso wie die Verbreitung von Hass im Internet („hate post“) ein brisantes Thema für Polizei und Justiz.

Für einen Einblick in die Dynamiken des Internets, insbesondere der „sozialen“ Medien, interessieren uns Sichtweisen und Erfahrungen aus dem journalistischen Bereich: Wie schnell vollzieht sich der Wechsel von „fame“ zu „shame“, warum und wie schnell wird hier jemand, der eigentlich nur für kurze Zeit im Rampenlicht stehen wollte, mit positiven oder negativen Attributen versehen? Wie entstehen eigentlich kollektive und individuelle Vorurteile, was passiert bei einem Shitstorm, welche Rolle spielen da die „alternative facts“, und wie können sie gelenkt werden? Einblicke in diese und andere Phänomene gibt die Journalistin und Politologin Corinna Milborn (Puls 4).

Im vorbereitenden Frage-Prozess beschäftigen uns bereits so manche für die musiktherapeutische Community relevanten Anknüpfungspunkte: unsere Urteile über andere, unsere Vorurteile anderen Ausbildungen, anderen Berufsgruppen gegenüber, unsere Vorurteile den Patient_innen gegenüber.

Wo stehen wir Therapeut_innen mit unseren Patient_innen in einer Zeit, in der so vieles reguliert und bewertet wird? Bringen einen da individualistische Alleingänge bereits in die Gefahr der Vorverurteilung? Oder anders gefragt: Wo sind meine Vorurteile und wo bestimmt die Angst, von anderen vor-verurteilt zu werden, mein Handeln? Diese und andere Fragen möchten wir mit den Teilnehmer_innen in den Arbeitsgruppen am Nachmittag diskutieren.

 

Im bewährt klein gehaltenen Rahmen der Tagung (begrenzte Teilnehmer_innen-Zahl) findet die 5. Wiener Werkstatt Musiktherapie diesmal erstmals in den Seminarräumlichkeiten der Sargfabrik (1140, Goldschlagstraße 169) statt. Für das im Tagungspreis inkludierte Mittagessen gibt es die Wahl zwischen 2 Menüs (eines davon vegetarisch). Neben eingeplanten Kaffeepausen wird bei einem abschließenden Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten Gelegenheit zum persönlichen und fachlichen Austausch sein.

 

Tagungsbeitrag: € 100,- (ermäßigt für Musiktherapie-Studierende im Diplom-/Masterarbeitsstadium: € 70,-)

Darin enthalten sind Tagungsunterlagen, Pausenverpflegung und Mittagsmenü (auch vegetarische Auswahl) sowie ein abschließender Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten.

 

Anmeldeschluss: 31. Dezember 2017 (begrenzte Teilnehmer_innenzahl!)

 


4. Wiener Werkstatt Musiktherapie

NARZISSMUS

Samstag, 28. Jänner 2017

Narzissmus – ein Kernthema der Psychotherapie und der Musiktherapie.

 

Die Art der Betrachtung dieses Phänomens kann sehr unterschiedlich erfolgen, denn es sprengt das Arbeitsfeld der TherapeutInnen. In dieser Werkstatt wollen wir uns über unterschiedliche Zugänge diesem Thema und seiner klinischen Relevanz annähern; dieser Prozess geschieht wie immer in der Kleingruppenarbeit am Nachmittag.

 

Bereits Künstler der Antike setzten sich mit dem Thema Narzissmus auseinander. Zu Beginn des Vormittags wird die Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Maren Welsch aus Kiel auf die unterschiedlichen Darstellungen des Narziss in der Malerei eingehen, wobei sie in ihrer Forschungsarbeit auf interessante Details zur Darstellung des weiblichen im Gegensatz zum männlichen Narzissmus gestoßen ist. 

An die mythologischen Ursprünge des Narzissmus anschließend führt der Innsbrucker Psychotherapeut und Psychiater Dr. Harald Meller in die klinische Relevanz des Themas ein und macht die Entstehung seiner verschiedenen Erscheinungsformen - des malignen wie des benignen Narzissmus - entwicklungspsychologisch verständlich.

In einem weiter gefassten Zusammenhang zu den Facetten des Narzissmus ist die Betrachtung der neuen, und doch alten Sitte des Tätowierens aufschlussreich. Rückblickend auf eine langjährige praktische Arbeit in einem Tätowierstudio schildert der Künstler Norbert Ösz seine Erfahrungen mit den Bedürfnissen seiner Kundinnen und Kunden und seine Ideen zur Kultivierung der Selbstdarstellung und Ästhetisierung des Körpers.

 

Teilnahmegebühr: € 100,-

ermäßigt für Musiktherapiestudierende im Diplomarbeitsstadium: € 70,-

Darin enthalten sind Tagungsunterlagen, Pausenverpflegung und Mittagsbuffet (auch vegetarische Auswahl) sowie ein abschließender Umtrunk in den Seminarräumlichkeiten.

 

Begrenzte Teilnehmer_innenzahl! Anmeldeschluss: 14. Jänner 2017

ausgebucht!

Gerne setzen wir Sie auf eine Warteliste und verständigen Sie, sobald ein Platz frei geworden ist.

 

Tagungsort:

Studio Barada, Robert-Hamerling-Gasse 1, 1150 Wien (gleich hinter dem Westbahnhof)


Rückblick Wiener Werkstatt Musiktherapie

19. Oktober 2013: KATHARSIS

DDr. Peter Geissler (Arzt, Psychologe, Psychotherapeut): Katharsis

DI Gudrun Obersteiner (Abfallexpertin): Die Wissenschaft der Entsorgung

Dr. Yvonne Schaffler (Medizinanthropologin): Besessenheit und Katharsis aus Sicht der Kultur- und Sozialanthropologie

 

17. Jänner 2015: ERINNERN

Peter Rosei (Schriftsteller)

Dr. Hubert Bergmann (Philologe)

Dr. Sylvia Wintersperger (Psychiaterin, Psychotraumatologin, Psychotherapeutin)

 

9. Jänner 2016: FREMD SEIN

Dir. Werner Breitenecker (Hoteldirektor, Tourismusexperte): Fremden-Verkehr                    

Dr. Rainer Pöhnl (Hämatoonkologe): Fremdes im Körper

Martin Flicker (lebenserfahrener Waldvierter mit jenischen Wurzeln): Unerkannt fremd

 

28. Jänner 2017: NARZISSMUS

Dr. Maren Welsch (Kunstwissenschafterin): Narziss und die bildende Kunst – eine ambivalente Beziehung

Dr. Harald Meller (Psychiater, Psychotherapeut): Klinische Erscheinungsformen des Narzissmus

 

Norbert Ösz (Künsler): Tätowierkunst als Kultur der Selbstdarstellung

 

13. Jänner 2018: VORURTEILE

Dr. Andreas Olbrich-Baumann (Sozialpsychologe): Vorurteil und Diskriminierung aus sozialpsychologischer Sicht

Mag. Johanna Eteme (Juristin, Menschenrechts-Expertin): Vorurteile: Hilfe oder Hindernis in der Polizei-Arbeit

Wiener Schule der klinisch-differenziellen Musiktherapie - ein Update

11. Oktober 2008

Modul 1: Begrifflichkeiten der Wiener Schule der Musiktherapie im Verständnis aktueller Theoriebildung

Dr. Dorothea Oberegelsbacher: Differentielle Musiktherapie I. Kernbegriffe der Wiener Schule: Phänomenologie, Historie, klinische Anwendung – eine Übersicht“

Prof. Dr. Jos de Backer: Relevante psychotherapeutische Referenztheorien zur Wiener Schule der Musiktherapie

Dr. Dorothee Storz: Pentatonik, tonale und freie Improvisation

Dr. Elena Fitzthum: Eine kurze Entwicklungsgeschichte des musikalischen Dialogs

 

10. Oktober 2009

Modul 2: Differenzielle Indikation musiktherapeutischer Techniken und Interventionen

Dr. Dorothee Storz: Differentielle Musiktherapie II. Musiktherapeutische Techniken

Dr. Sandra Lutz Hochreutener: Methoden, Modalitäten und Interventionstechniken in der Musiktherapie - Versuch einer Methodologie

Dr. Karin Mössler: Historische Reflexion musiktherapeutischer Techniken der Wiener Schule der Musiktherapie

Mag. Martin Seidl: Musiktherapeutisches Singen in der Geriatrie

Mag. Monika Smetana: Zur Bedeutung von Tonträgern in  der musiktherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen

 

24. April 2010

Modul 3: Menschenbild und Forschung in der Musiktherapie

Dr. Elena Fitzthum: Differentielle Musiktherapie III. Menschenbild und therapeutisches Handeln

Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmidt: Musiktherapieforschung - ein Überblick

Priv.Doz. Dr. Mag. Christian Gold: Wer braucht eigentlich Musiktherapieforschung und wozu? Über die Relevanz der empirischen Forschung für die Wiener Schule der Musiktherapie

Dr. Karin Mössler: Mixed Method Forschung

Dr. Dorothea Oberegelsbacher: Paradigmen der Musiktherapie

 

26. Februar 2011

Modul 4: Politische Dimensionen musiktherapeutischer Berufsausübung

 Jan Sonntag: Psychokonformität versus Psychodiversität. Kritische Überlegungen zur gesellschaftlichen Verrottung der Musiktherapie

Mag. Edith Wiesmüller: Migration und Traumarisierung. Gesellschaftspolitische und soziokulturelle Aspekte innerhalb eines aktuellen Praxisfeldes

Prof. Dr. Tonius Timmermann: Transgenerationale Interaktionen in der Musiktherapie

Dr. Elena Fitzthum: Berufspolitische Dimensionen im europäischen Kontext. Von der Schwierigkeit, europäisch zu denken

Mag. Michael Stevic: Pionier- Politik - Patient(ia) - Provocatio. 5 Jahre regionaler Pionierarbeit Musiktherapie am Beispiel des Bundeslandes Kärnten

 

Jour fixe

17. Juni 1998: Heilung und Heil in Musik und Harmonik

Prof. Dr. Werner Schulze

 

2. Dezember 1998: Mozart in Musikpsychologie und Psychotherapie

Dr. theol. Richard Picker (Psychotherapeut)

Univ. Prof. Dr.phil. Erich Vanecek (Musikpsychologe)

 

6. Juli 1999: Musiktherapie - ein Orchideenfach zwischen Kunst und Wissenschaft?

Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt

 

13. Dezember 1999: 40 Jahre Musiktherapie in Österreich  (in Zusammenarbeit mit dem ÖBM)

Friederike Jekat

Dr. Dorothea Oberegelsbacher

 

25. Mai 2000: Musiktherapie mit kriegstraumatisierten Kindern. Erfahrungen aus Sarajewo.

Dorothee Storz

 

8. November 2000: In illo Tempore. Mit Musiktherapie zurück zur heilen Zeit.

Elena Fitzthum

 

10th European Music Therapy Conference

Das WIM war offizieller Mit-Organisator der 10th European Music Therapy Conference

"A Symphony of Dialogues" vom 5.-9. Juli 2016 in Wien.

Im Rahmen der Closing Ceremony wurden ein Jury Award und zwei Anerkennungspreise sowie drei Audience Awards für besonders herausragende Posters verliehen:

 

JURY AWARDS

Eine internationale Jury, bestehend aus wissenschaftlich erfahrenen Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten entschieden über die Vergabe: Freya Drossaert (Belgien), Cochavit Elefant (Israel), Wolfgang Schmid (Norwegen), Monika Smetana (Österreich) und Ferdinando Suvini (Italien). Vielen Dank an die Jury für ihre Arbeit und Bemühungen!

 

Jury Award 1. Preis (€ 300 gestiftet vom Wiener Institut für Musiktherapie)

Music and Public Health: Music in the everyday life of adult Danes and its relationship with health

Lars Ole Bonde,, Knud Juel & Ola Ekholm

 

Jury Award 2. Preis (Anerkennungspreis)

Possible transfer and evaluation of use of visual art techniques to music therapy

Anna Graf

 

Jury Award 3. Preis (Anerkennungspreis)

AutKom: a musical-bodily based group training supporting adults with autism and intellectual disability

T. Bergmann, K. Herberger, J. Birkner, T. Sappok    

 

 

AUDIENCE AWARDS

Täglich konnten die Besucher und Besucherinnen der Poster Lounge aus den präsentierten Classical Print Posters und den Animated Screen Presentations (ca. 4-minütige animierte Powerpoint- oder Prezi-Präsentationen im Film-Format) anhand verschiedener Kriterien (Inhalt / Layout) ihre Stimme für favorisierte "Posters of the Day" abgeben. Die verliehenen Preise beinhalteten ein vom WIM gestiftetes Präsent.

 

Poster of the Day: Wednesday

The effects of relaxing music on patients undergoing magnetic resonance imaging

Zsuzsa Földes, Esa Ala-Ruona, Birgitta Burger & Gergely Orsi

 

Poster of the Day: Thursday

Theses from the Viennese music therapy training course (1959–2014): historical research study investigating theses’ contents and methodologies

Hannah Riedl & Thomas Stegemann

 

Poster of the Day: Friday

Looking for sound identity – Laboratories in a disabled center in South Tyrol

Grazia Parente & Fabio Circelli

Wiener Institut für Musiktherapie

Praterstraße 78/1/16, A-1020 Wien

office@wim-musiktherapie.at